Zur Motivation und Demotivation habe ich diese Woche in der SZ folgendes gefunden, die die von den Kollegen hier geäusserten Frustrationsnotwendigkeiten zumindest in Frage stellen, für mich jedoch ziemlich plausibel erklären, wieso bei uns in Bayern so viele am Gymnasium scheitern.
Meine heimlich gehegte These, dass nicht die Dummen, sondern die Sensiblen verstärkt aussortiert werden, wird durch diesen Artikel positiv bestätigt.
(Der Artikel wurde stark gekürzt, durch die Suchfunktion kommt man jedoch an den ganzen Artikel!)
Unzufriedenheit bewirkt Lähmung:
….
Eine Gruppe bekam fünf Minuten aus einem Programm für den Mathematikunterricht zu sehen, die andere durfte über Comedy-Sketche lachen. Die Probanden, die sich mit dem Schulfilm gelangweilt hatten, standen meist ratlos vor dem Problem. Von denjenigen hingegen, die sich amüsiert hatten, fanden drei Viertel die richtige Lösung
…
Glück macht einfallsreich
Seit diesem Experiment haben mehr als 60 weitere Untersuchungen alle romantischen Ideen vom unglücklichen Genie Lügen gestraft. Zweifellos seien es eher die guten Gefühle, die Menschen einfallsreich machten, schreibt der niederländische Arbeitspsychologe Matthijs Baas in einem kürzlich erschienenen Übersichtsartikel: „Die Stimmung ist einer der am besten untersuchten und am wenigsten umstrittenen Einflüsse auf Kreativität.“
Eine zentrale Rolle dabei spielt der körpereigene Botenstoff Dopamin. Als sogenannter Neuromodulator wirkt er als ein Umschalter im System Hirn. Wie die Pausenglocke einer Schule Hunderte Kinder schlagartig in einen anderen Zustand versetzt, so ändern Millionen graue Zellen ihre Arbeitsweise, sobald Dopamin freigesetzt wird. Wir erleben dies als einen Zustand freudiger Erregung; zugleich aber macht sich das Gedächtnis zum Lernen bereit. Dopamin fördert nämlich das Entstehen neuer Verbindungen zwischen den Neuronen. So sind Gefühle und Gedanken, gute Stimmung und geistige Leistung untrennbar miteinander verknüpft.
Dopamin wirkt überdies auf die Aufmerksamkeit. So sorgt es dafür, dass sich der geistige Horizont weitet. Unter seinem Einfluss denken Versuchspersonen in weiteren Bahnen, die Filter der Wahrnehmung werden schwächer. So verlieren Menschen in gehobener Stimmung den Tunnelblick, der sie im Zustand von Niedergeschlagenheit und Angst davon abhält, ungewöhnliche Lösungen zu finden.
Je mehr geistige Regsamkeit und assoziatives Denken gefragt sind, umso stärker die Vorteile der guten Gefühle.
Wie Isen ebenfalls nachweisen konnte, stellen fröhliche Ärzte schneller und mit höherer Treffsicherheit Diagnosen. Auch sind glückliche Menschen in Verhandlungen besser imstande, allen Beteiligten zu ihrem Recht zu verhelfen; generell engagieren sie sich stärker für die Belange anderer.
Anders als die Romantiker glaubten, spornt also nicht die Peitsche ihrer Unzufriedenheit, sondern das Zuckerbrot einer erwarteten Belohnung Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen an. Gute Gefühle oder auch nur die Aussicht darauf aktivieren; Unzufriedenheit hingegen bewirkt eher Lähmung und Resignation.
Wenn Organisationen trotzdem noch immer mit negativen Emotionen zu motivieren versuchen – Schulen mit Angst vor Nicht-Versetzung, Universitäten mit Angst um den Abschluss und Unternehmen mit Angst um den Arbeitsplatz – betreiben sie eine gigantische Verschwendung menschlichen Talents. Ebenso wenig bewegt Unglück Menschen zum Einsatz für die Kunst, die Wissenschaft oder die Gerechtigkeit.